Ukulele oder Klavier lernen? Die Vor- und Nachteile.

Soll ich lieber Ukulele oder Klavier lernen? Viele Menschen sind bei dieser Frage geradezu hin- und hergerissen. Zwar sind beide Instrumente fundamental unterschiedlich, aber sie haben eines gemeinsam: Sie sind oft das erste Instrument, das Menschen lernen. Beide haben ohne Frage etwas für sich. Welches Instrument sich jedoch für wen besser eignet, klärt dieser Artikel.

Ukulele vs Klavier lernen (Foto: Kind sitzt am Klavier)

1. Die Kosten

Ohne Wenn und Aber geht der Kostenpunkt an die Ukulele.

Auch wenn man von billigen Ukulelen die Finger lassen sollte, brauchbare gibt es bereits für um die 200 Euro, die mittlere Preisklasse liegt um die 500 – 700 Euro und die guten Modelle bekommst du ab 1.000 Euro aufwärts.

Bei einem klassischen Klavier hingegen bewegen wir uns mindestens im fünfstelligen Bereich, wenn es etwas taugen soll. Digitalpianos sind nur vermeintlich günstiger. Modelle um die 1000 Euro haben nicht nur einen schlechten Klang, sondern auch schlechte Samples. Modelle um die 2.500 Euro haben bessere Samples, aber leider immer noch einen grauenhaften Klang. Sie klingen wie Klavier aus der Büchse, was daran liegt, dass die Hersteller minderwertige und leistungsarme Lautsprechersysteme verbauen. Selbst bei hochgelobten Modellreihen wie der Yamaha Clavinova.

Das bedeutet nicht, dass man auf günstigen Digitalpianos das Spielen nicht lernen kann. Aber seit wann geht es beim Lernen eines Instrumentes nur darum, irgendwie einen halbwegs akzeptablen Ton zu erzeugen? Hauptsache man lernt irgendwie Klavier? Das Ergebnis soll doch Musik sein, die besser klingt, als käme sie aus einem billigen Küchenradio.

Bei der Ukulele hingegen bekommt man für sehr viel weniger Geld einen herausragenden Klang. Man bekommt Modelle aus hochwertigen Klanghölzern, für die man bei anderen Instrumenten (selbst bei Gitarren) ein Vielfaches bezahlen müsste, zu erschwinglichen Preisen. Bei der Ukulele kann man rechtfertigen, selbst beim ersten Instrument in die Mittel- oder Oberklasse einzusteigen.

Bei der Ukulele bekommst du bei gleichem Geldeinsatz einfach eine drastisch höherwertige Ausführung als beim Klavier. Und die hilft ja nicht nur, weil sie einen schöneren und saubereren Klang hat als ein günstiges Instrument – ein hochwertiges Instrument lässt sich auch leichter spielen und erlernen.

2. Platzbedarf & Mobilität

Auch Platzbedarf und Mobilität sind zwei Dinge, bei denen Ukulelen natürlicherweise Punkten können.

Sie sind außergewöhnlich klein, selbst in der Tenorgröße und können auch in der kleinsten Wohnung platzsparend aufbewahrt und fast überall hin mitgenommen werden.

Das klassische Klavier bleibt an Ort und Stelle. Der Transport ist mühsam und kostspielig. Digitalpianos sind ebenfalls eher Einrichtungsgegenstände, wohingegen Stagepianos mobiler sind. Aber eben längst nicht mobil.

Auch ein Stagepiano klemmt man sich nicht einfach unter den Arm oder steckt es in einen Rucksack. Ein Auto ist in jedem Fall erforderlich.

3. Tasten vs Saiten

Schwieriger sieht die Sache schon bei der grundlegenden Art und Weise aus, wie man diese beiden Instrumente spielt. Die Ukulele ist ein Saiteninstrument, das Klavier ein Tasteninstrument.

Auf den ersten Blick wirkt das Klavier leichter zu spielen. Denn jede Note ist einer Taste zugewiesen. Weiß man, wo welche Note ist, muss man nur die richtige Taste drücken. Natürlich gibt es beim Drücken Variationsmöglichkeiten und selbstverständlich muss man selbst das erst einmal lernen. Aber das grundsätzliche Prinzip des Klaviers ist für Anfänger leicht nachzuvollziehen. Es erzeugt saubere Töne schon bei den ersten Gehversuchen.

Bei Saiteninstrumenten ist das erst mal schwieriger. Saiten müssen in bestimmten Bünden heruntergedrückt werden, um Töne zu erzeugen. Das funktioniert zwar alles nach logischen Prinzipien, die erschließen sich aber zunächst nicht ganz so leicht wie Taste = Note.

Um einen kurzen Ausflug in die Welt der Farben zu machen: Beim Klavier tauchst du den Pinsel in die grüne Farbe, um etwas Grünes zu malen. Bei der Ukulele mischst du Gelb und Blau, um Grün zu erzeugen. Doch beides macht dich längst nicht zu einem Künstler.

Für Anfänger ist es fast immer deutlich leichter, einen Ton auf dem Klavier zu erzeugen als auf einem Saiteninstrument. Nicht dass Letzteres deutlich schwieriger wäre, aber es klappt eben nicht ganz reibungslos ab der ersten Minute. Man muss ein paar Dinge beachten.

Wer bei den kleinsten Schwierigkeiten aufgibt, vor allem wenn sie den unmittelbaren Anfang betreffen, dürfte mit Saiteninstrumenten Probleme haben. Wird aber nach den ersten kleinen Schritten auch mit dem Klavier nicht glücklich werden. Denn jedes Instrument verlangt Hingabe, selbst die Triangel.

Ukulele vs Klavier: Noten lernen (Foto: Mann sitzt mit Noten und Notebook am Tisch)

4. Lernkurve

Der Umgang mit Tasten und Saiten wirkt sich aber nur ganz am Anfang aus, in den ersten Minuten, Stunden oder vielleicht wenigen Tagen. Je nachdem wie schnell man in der Lage ist, die Vorgaben umzusetzen.

Grundsätzlich muss man aber sagen, dass es deutlich leichter ist, auf der Ukulele als auf dem Klavier zu spielen. Solange es einem darum geht, Akkorde zu spielen und damit den Gesang zu begleiten.

Man kann in der Regel nach wenigen Wochen die ersten (modernen) Songs begleiten, manche schaffen es auch nach einigen Tagen. Und es klingt selbst in diesem frühen Stadium außergewöhnlich gut. Beim Klavier ist das schwieriger, aber dazu später mehr.

Geht es einem hingegen um das Notenspiel, also meist das Spielen instrumentaler Stücke, fällt die Unterscheidung nicht so leicht. Die Ukulele könnte einen Vorteil haben, weil man statt des Notensystems auch das einfachere Tabsystem lernen kann. Allerdings muss man fingerfertiger sein, um die Töne auf der Ukulele sauber zu erzeugen. Das fällt am Klavier zunächst ein wenig leichter. Macht bei komplexeren Stücken dann aber auch wieder kaum einen Unterschied.

5. Akkordspiel

Akkordspiel ist das, was vermutlich die meisten Menschen im Hinterkopf haben, wenn sie ein Instrument lernen wollen. Sie möchten sich und ihren eigenen Gesang begleiten. Oder am Lagerfeuer sitzen (ja, ich weiß, die sind heute alle erloschen) und mit anderen musizieren.

Das Akkordspiel ist bei beiden Instrumenten erheblich leichter zu lernen als das Spiel nach Noten.

Auf dem Klavier kann man sein erstes Lied tatsächlich nach etwa einem Tag Übung mit Akkorden begleiten, wenn man ein paar neurowissenschaftliche Grundsätze beachtet und in vielen kleinen Päckchen zu einigen Minuten über den Tag verteilt übt. Das klappt nicht bei jedem Song, aber bei einigen Popsongs ist das absolut im Bereich das Möglichen.

Nur es klingt nicht so gut. Zumindest noch nicht jetzt. Denn im Zweifel spielt man nur den Akkord mit der rechten Hand und die Bassnote mit der linken. Ist man etwas versierter, spielt man den Akkord sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand. Bei manchen Songs reicht das aus, bei vielen stellt sich hier aber so ganz ohne Melodie eine Leere ein. Selbst wenn man immer wieder etwas zwischen rechts und links variiert.

Damit Begleitung auf dem Klavier gut klingt, kommt man einfach um das Melodiespiel nicht herum. Das muss nicht zwangsläufig nach Noten sein, aber man muss zumindest lernen, wie man im Rahmen einer Tonart improvisiert. Und das dauert mitunter länger.

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Die Ukulele hat zwar den Nachteil, dass man nach einem Tag noch nichts Brauchbares darauf spielen kann. Aber wenn man sehr motiviert ist und ebenfalls lernpsychologisch alles richtig macht, kann man das Akkordspiel in einigen Tagen bis maximal wenigen Wochen lernen.

Und es klingt zu diesem Zeitpunkt deutlich reifer als das Klavierspiel. Denn zusätzlich zum reinen Klang des Akkords kommt das Strumming Pattern hinzu. Es ersetzt die Melodie, indem es die Stille beim Spielen praktisch vollständig ausfüllt. Wenn ein Popstar auf der Bühne steht und zu seinem Gesang Gitarre (oder Ukulele) spielt, macht er meistens nichts anderes als reines Akkordspiel. Er greift die Akkorde mit links und spielt mit rechts ein Strumming Pattern. Sein Gesang erledigt den Rest.

Bei der Ukulele braucht man aber aufgrund des Saitenspiels einfach ein paar Tage Anlaufzeit. Es ist nicht so, dass man die Töne nicht schnell erzeugen könnte. Es ist vielmehr problematisch, die Akkorde schnell genug zu greifen. Einfach weil das für die meisten von uns eine Art von Bewegung ist, die wir nicht kennen und nie eingeübt haben.

Das Gehirn braucht einfach etwas länger, um drei Finger auf drei verschiedenen Saiten an der richtigen Position gleichzeitig und sauber zu positionieren. Wohingegen es ihm deutlich leichter fällt, drei Finger auf drei einzelne Tasten zu legen, die oft noch direkt nebeneinander sind.

Die Vorteile, die das Klavier durch die Tasten hat, sind aber nach einigen Tagen nicht nur egalisiert, sondern umgekehrt. Denn was am ersten Tag noch „wow“ klang, klingt nach ein paar Wochen einfach nur noch dünn, wenn man es nicht erheblich ausbaut.

Mit der Ukulele kannst du deine Songs also im Zweifel schneller mit Akkorden begleiten.

6. Noten vs Tabs

Das Notenspiel ist weitaus anspruchsvoller als das Akkordspiel. Es ist eben der Unterschied zwischen Taylor Swift und Chopin.

Beim Klavier führt der Weg prinzipiell über Noten. Man muss erst einmal das Notenlesen lernen, bevor man mit dem Spielen anfangen kann. Das allein dauert eine Weile und muss selbst im fortgeschrittenen Stadium immer wieder geübt werden.

Beherrscht man es einmal, stehen einem dafür alle Türen offen. Denn Noten enthalten auch die verschiedensten rhythmischen Angaben und legen sehr exakt fest, wie genau du ein Stück zu spielen hast. So wie ein Programmierer mit Erfahrung Code lesen kann und vor seinem geistigen Auge sieht, was dadurch passiert, kann der erfahrene Klavierspieler Noten lesen und in seinem inneren Ohr bereits den Klang des Stückes hören.

Die Ukulele hat aber einen Vorteil: Während du sie auch ganz klassisch nach Noten spielen kannst, existiert hier neben dem Notensystem ein weiteres: das Tabsystem.

Es enthält zwar nicht so viele Angaben wie das Notensystem – vor allem was Rhythmik betrifft –, ist dafür aber sehr, sehr, sehr viel einfacher und schneller zu lernen.

Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Art Schaubild, das dir genau anzeigt, welche Saiten an welcher Stelle heruntergedrückt werden müssen und in welcher Reihenfolge. In der Regel kommen auch Tempoangaben hinzu. Du kannst das Tabsystem üblicherweise bereits innerhalb eines Tages lesen.

Achtung: Das heißt nicht, dass du klassische Musik auf der Ukulele in so kurzer Zeit spielen kannst. Es fällt bloß der mühsame Schritt weg, das Notensystem zu lernen. Die Finger richtig und schnell genug zu positionieren, ist eine ganze andere Schlacht, die geschlagen werden muss.

Ukulele vs Klavier: Musik-Genre (Foto: Popstar vor Rauch auf einer Bühne)

7. Klassik vs Popmusik

Wenn es um Genres geht, kann man auch eine grundlegende Einteilung treffen. Vorab muss ich aber klarstellen, dass man alle Genres auf beiden Instrumenten spielen kann und dass es natürlich auch viel mehr gibt als die einfache Unterscheidung zwischen Klassik und Pop.

Wenn dich vor allem klassische Musik interessiert, dann könnte das Klavier besser für dich geeignet sein. Der Weg über das Notensystem ist zwar mühsamer, aber das Klavier ist einfach besser auf Klassik ausgerichtet.

Das bedeutet nicht, dass man auf der Ukulele keine Klassik spielen könnte. Es gibt herausragende Gegenbeispiele. Aber der Tonumfang ist beschränkter als bei einem Klavier und auch wenn das Tabsystem leichter ist, es ist weniger genau und das Erzeugen der einzelnen Noten ist zumindest am Anfang schwieriger.

Popmusik hingegen ist wie für die Ukulele gemacht. Durch das schnelle Lernen von Akkorden und Strumming Patterns steht dir schon nach kurzer Zeit ein riesiges Repertoire zur Verfügung, selbst wenn du nur vier Akkorde spielen kannst.

Auch auf dem Klavier lässt sich Popmusik herausragend begleiten, aber das einfache Spielen von Akkorden klingt hier einfach zu dünn. Ganz ohne Melodie wirst du nicht lange Spaß daran haben. Und bis zur Melodie dauert es deutlich länger als bis zum Strumming Pattern auf der Ukulele.

8. Fülle an Lernmaterialien & Noten

Bei der Fülle an Lernmaterialien punktet eindeutig das Klavier. Selbst für die Gitarre gibt es einfach weitaus mehr Materialien als für die Ukulele.

Die Frage, die du dir stellen musst, ist lediglich: Wie wichtig ist mir das? Denn es gibt für beide Instrumente gute Materialien und sicherlich auch genug.

Um an Klaviernoten zu kommen, muss man zudem meistens zahlen. Akkorde gibt es im Netz zu praktisch allen denkbaren Songs kostenlos.


Das ist allerdings kein Punkt, den man einem Instrument zuordnen kann, sondern eher einer Musikrichtung. Klassik braucht Noten, für Popmusik genügen zumindest erst mal Akkorde. Aber beides kann man auf beiden Instrumenten spielen.

Wenn es um Unterricht geht, bist du bei dem Klavier übrigens besser bedient, einfach weil es viel mehr Klavierlehrer als Ukulelelehrer gibt. Ob du einen Lehrer brauchst, hängt vor allem davon ab, welche Ambitionen du hast und wie sehr dir Autodidaktik liegt. Und damit auch: Wie gut du dich selbst hinterfragen kannst.

9. Musiktheorie-Verständnis

Wer vorhat, Musik zu studieren oder generell sein musiktheoretisches Verständnis ausbauen will, der ist mit dem Klavier vermutlich besser bedient.

Nicht nur weil es ein sehr grundlegendes Instrument ist, sondern weil es einen förmlich dazu zwingt, sich mit Musiktheorie auseinanderzusetzen. Allein schon durch den obligatorischen Weg über das Notensystem.

Man kann jedoch problemlos ein Leben lang Ukulele spielen, ohne sich jemals näher mit Musiktheorie auseinandersetzen zu müssen. Wenn es einem ausreicht, ein paar Strumming Patterns und die benötigten Akkorde zu lernen, kann man seinen Gesang ziemlich leicht begleiten und muss sich über weitere Dinge keine großen Gedanken machen.

Manchmal tut ein bisschen Druck allerdings auch ganz gut.

Ukulele vs Klavier: Prestige & Status (Foto: Konzertsaal)

10. Seriosität & Prestige

Wenn es dir wichtig ist, dass du durch dein Instrument ernst genommen wirst, müssen wir an dieser Stelle den Punkt auch eindeutig dem Klavier überlassen.

Das Klavier ist das weitaus seriösere und prestigeträchtigere Instrument. Es hat Klasse und steht für einen gewissen Status. Es spielen zu können hat eine gesellschaftliche Bedeutung.

Die Ukulele hingegen… ist ein absolut sympathisches und freudiges Instrument, aber die gesellschaftliche Leiter kletterst du damit nicht nach oben.

Das alles sage ich dir, ohne zu implizieren, dass das irgendeine Bedeutung haben sollte, wenn man sich ein Instrument aussucht. Wem das aber wichtig ist, der wird trotzdem mit einer Ukulele (als einziges Instrument) nicht glücklich. Und greift besser zum Klavier.

11. Community

Wer nicht nur alleine spielen, sondern mit anderen in Kontakt kommen will, ist je nach Mentalität mit der Ukulele besser bedient.

Auch wenn man nicht behaupten kann, dass alle Ukulelespieler X und alle Klavierspieler Y sind, es zeigen sich aber gewisse Gemeinsamkeit und Muster. Denn so individuell, wie manche glauben, ist der Mensch dann doch nicht. Das zeigt schon die fast immer erstaunlich gut zutreffende Unterteilung in Myers-Briggs-Persönlichkeitstypen. (Die nicht umsonst von 89 % aller Fortune 100 Unternehmen als Einstellungskriterium herangezogen werden.)

Dadurch dass die Ukulele sich selbst nicht so ernst nimmt und eben nicht dieses prestigeträchtige Instrument ist, spielt sie auch gerne eine Art Mensch, die sich ebenfalls nicht so ernst nimmt. Oder nicht mehr so ernst nehmen will.

Das sorgt oftmals für ein unkompliziertes und unbeschwerliches Miteinander, in dem jeder willkommen ist. Auf Ukulele Festivals findest du deshalb selten Alleingänger. Sobald jemand anfängt, zu spielen, bilden andere um ihn eine Traube und steigen entweder ein oder singen mit.

Dieses Phänomen ist beim Klavier nicht so häufig anzutreffen, was aber natürlich auch ein Stück weit in der Größe und mangelnden Mobilität des Instrumentes begründet liegt. Beim Klavier denkt man aber oft an eine etwas steifere Atmosphäre, die auch durch klassische Konzerte geschürt wird. Und der ebenfalls viel abzugewinnen ist.

Das Klavier kann hingegen auch sehr neutral sein, da es schon lange nicht mehr nur bestimmten Schichten vorbehalten ist. Diese Unterscheidungen können also durchaus immer weiter aufweichen. Es sind bloß Stereotype, die manchmal stimmen und manchmal absurd sind.

Wem es aber wichtig ist, durch sein Instrument schnellen Anschluss zu finden, dem wird das im Zweifel mit der Ukulele in dieser Hinsicht leichter gelingen. Aber insofern wiederum schwieriger, als dass es weniger Ukulele- als Klavierspieler gibt.

Und wahrscheinlich liegt es am Ende ohnehin mehr am Menschen als am Instrument.

Ukulele vs Klavier spielen (Foto: Kopfhörer hängen über eine Stuhllehne)

Fazit

Natürlich ist weder die Ukulele besser als das Klavier noch umgekehrt. Ich hoffe aber, dir mit diesem Artikel ein paar Unterschiede aufgezeigt zu haben, die man sonst erst kennenlernt, wenn man beide Instrumente eine Zeit lang spielt.

Am Anfang sieht man Klavierspieler und denkt sich: Ach das ist ja leicht, ich muss nur im richtigen Tempo und in der richtigen Reihenfolge die einzelnen Tasten drücken. Und sieht man einen Ukulelespieler, denkt man sich: Ach das ist ja leicht, ich muss nur die Saiten an der richtigen Stelle herunterdrücken und mit der rechten Hand rauf- und runterstrummen.

Beides, das wirst du feststellen, entspricht nicht der Wahrheit. Abgesehen von Bruder Jakob und Alle meine Entchen musst du in beide Instrumente Zeit investieren, um sie spielen zu lernen. Das ist auch der Grund, warum es sich so gut anfühlt, wenn man es kann. Nichts, was leicht zu erreichen ist, ist irgendetwas wert.

Interessiert dich vor allem die klassische Musik, spielt Geld keine große Rolle bei der Entscheidung und kannst du Belohnungen gut aufschieben, könnte das Klavier eine interessante Wahl für dich sein.

Bevorzugst du jedoch Popmusik und willst vor allem deinen Gesang möglichst schnell und gut begleiten können und ist Geld und Platz vielleicht doch ein wichtiger Faktor, findest du in der Ukulele womöglich das perfekte Instrument für dich.

Am Ende kommt es dann aber doch wieder nur auf die Frage an: Was gefällt mir persönlich eigentlich besser? Das ist dann meist die richtige Wahl.

Quellen der verwendeten Bilder (in der Reihenfolge ihrer Platzierung):

  • unsplash.com / Clark Young (@clark1)
  • unsplash.com / rawpixel (@rawpixel)
  • unsplash.com / Austin Neill (@arstyy)
  • unsplash.com / Manuel Nägeli (@gwundrig)
  • unsplash.com / Alphacolor 13 (@duck58cth)
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Kommentare

  1. Also ich sehe das mit dem Klavier ein wenig anders.
    Meine Klavierlehrerin hatte einen Flügel und ein normales Klavier und unterrichtete mich am normalen Klavier. Das war also erstmal kein Beinbruch.
    Zum zweiten, ein akustisches Klavier, was etwas taugt, einen guten Anschlag und Klang hat, hat einen Mindestpreis. Zu den Zeiten, als wir noch die D-Mark hatten, lag dessen Preis bei 8000 bis 10000 Mark, ein 5000 Mark-Klavier hatte einen zähen Anschlag, einen blechernen Klang. Ich kam mal in die Lage, versuchen zu müssen, einen mikrofonierten Sänger so einzustellen, dass ihn das „Spitzeninstrument“ nicht übertönt und hatte am Ende eine recht seltsame Equalizer-Einstellung.
    Bei einem Digitalpiano war der Klang eigentlich besser, als bei einem „Billig-Klavier“. Gut, die indirekte Schallabstrahlung simulieren nur die teureren.
    Ich war und bin ja immer wieder in der Situation, öfter akustische Klavier, manchmal auch Flügel spielen zu können, ebenso Digitalpianos. Und ich hatte nie den Eindruck, dass es so schlecht klang,. wie dieser Ratgeber beschreibt.
    Das Klavier als Instrument hat ja etliche Vorteile. Neben dem, dass es in Klassik und Pop etabliert ist, kann man es auch in verschiedenste Musikgruppen einbringen, man kann auch ganz alleine eine Begleitung mit Bass und Akkorden spielen.
    Man hat mit Klavierkenntnissen auch eine Basis für das Synthesizerspiel oder auch dafür, andere Tasteninstrumente zu spielen.
    Gar nicht so selten spielt dieselbe Person Klavier und Orgel, Beispiele dafür sind Fats Waller, Heinrich Riethmüller, Klaus Wunderlich, Franz Lambert ging sogar so weit, dass er auf einer Digitalorgel, die mit einer 88er Piano-Tastatur ausgestattet ist, auf dieser richtig Piano zu spielen und das mit den Füßen auf dem Basspedal zu begleiten, sogar so etwas ginge.
    Ich hatte in den 90er Jahren ein einfaches kompaktes Digitalpiano, dessen eingebaute Lautsprecher nicht übel waren, aber im Bass schwächelten. Dann kam ich auf die Idee, einen kleinen aktiven HiFi-Subwoofer anzuschließen und der Clou war, dass der Klang deutlich mehr einem echten Klavier entsprach.
    Für ein Digitalpiano spricht, dass man mit Kopfhörer üben kann, dass es keine Wartung braucht, dass es beim Platzbedarf sehr gnädig ist, dass man bei entsprechender Bauart es auch mitnehmen kann, um dem Onkel ein Geburtstagständchen zu spielen, dass man unkompliziert das eigene Spiel aufnehmen kann.
    Und wenn man auch kompakte Klaviere in die Auswahl nimmt, also nicht gesteigerten Wert darauf liegt, dass das digitale Instrument ein Möbelstück sein muss, kann man schon für 1000 EUR ein Instrument bekommen, das denjenigen, der lernen will, nicht demotiviert.

  2. Hallo Ronny,

    das mit den Kopfhörern ist ein weiterer Vorteil des Klaviers, solange es keine Silent Ukulele gibt. Wie gesagt, die Samples auf Digitalpianos wie der Yamaha Clavinova Serie sind sehr gut, aber die Lautsprecher sind nicht annähernd in der Lage, das wiederzugeben. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Absicht des Herstellers.

    Mit einem guten Kopfhörer (z.B. DT 770 Pro) bekommt man hingegen wirklich einen angenehmen Klang. Aber nicht bei 1.000 € Digitalpianos, denn da fehlen schon die entsprechenden Samples. Nicht weil Yamaha die nicht hätte und nicht ebenso gut draufspielen könnte, sondern weil sie die Einstiegspianos künstlich kleinhalten müssen, alles andere wäre wirtschaftlich gesehen grob fahrlässig.

    Das Digitalpiano hat in der Regel allerdings noch den erheblichen Nachteil, dass die Pedalen nicht richtig funktionieren. Bei einem Exemplar für 1.000 € war das katastrophal, bei einem für 2.500 € etwas, aber wirklich nur etwas besser. Doch immer noch weit entfernt von einem richtigen Klavier. Du kannst beim Digitalpiano den Fuß voll auf dem Sustain-Pedal lassen und es klingt immer noch anständig. Mach das auf dem Klavier und du erhältst einen Brei. Das ist eines der Probleme, wenn man auf dem Digitalpiano Klavier spielen lernt: Ein richtiges Klavier spielen kann man dadurch nicht unbedingt, man muss sich dann erst eine ganze Weile umgewöhnen. Auch was den Anschlag betrifft. (Was allerdings immer noch viel, viel besser ist als ansonsten gar nicht Klavier spielen zu lernen.)

    Dennoch finde ich, dass Digitalpianos eine der besten Erfindungen im Instrumentenbereich der neueren Zeit sind. Sie haben Klavierspielen deutlich erschwinglicher gemacht. Und selbst wenn sie nicht gut klingen und jeder Anschlag vom einem deutlich hörbaren *KLOCK* begleitet wird, erlauben sie zumindest, das Instrument grundlegend zu lernen.

    Mein Punkt ist vielmehr: Wenn ich keine Präferenz habe zu Ukulele oder Klavier, sondern beide etwa gleich gerne mag, dann würde ich mich aus Kostengründen mit Haut und Haaren für die Ukulele entscheiden. Denn hier bekomme ich für etwas mehr als 1.000 € ein fantastisches, auf Hawaii von traditionellen Ukulele-Herstellern handgefertigtes Instrument aus edlem Koa-Holz mit einem wunderbar vollen, ausgereiften und differenzierten Klang und einer seidenweichen Bespielbarkeit. Und das hört man nicht nur, das riecht man und fühlt man auch. Bei jedem Spielen.

    Wohingegen ich beim Digitalpiano zu diesem Preis nur ein Einstiegsmodell bekomme, das wie ein Küchenradio klingt. Natürlich kann man externe Lautsprecher daran anschließen (über die Ästhetik kann man sich streiten), nur dann musst du mindestens denselben Preis auch noch einmal oben drauf legen, wenn du nicht Küchenradiolautsprecher durch Küchenradiolautsprecher ersetzen willst. Und bei einem 1.000 € DP bringt das nicht einmal viel, weil die minderwertigen Samples bereits den Flaschenhals darstellen.

    Auch mit dem günstigen Digitalpiano kann man das Klavierspielen grundsätzlich lernen. Aber ob man Freude an der Musik hat, die dabei herauskommt, daran habe ich so meine Zweifel. Mein Clavinova würde ich jedenfalls nicht bedingungslos weiterempfehlen, außer jemand will ausschließlich mit Kopfhörern spielen.

    Auch beim Digitalpiano bewegt man sich zusehends auf den fünfstelligen Preisbereich zu, wenn man etwas möchte, das dem Klavier nahekommt. Was ja auch logisch ist: Die führenden Hersteller von Digitalpianos sind Yamaha und Kawai. Und sie sind immer noch Hersteller klassischer Pianos. Würden sie dir für 2.500 € oder sogar weniger eine echte Klaviererfahrung bieten, was um alles in der Welt sollte dich noch dazu bringen, eines ihrer echten Klaviere zu kaufen? Beide Unternehmen machen zwar regelmäßig unternehmensstrategische Fehler, aber einen derart fatalen würden sie hoffentlich nie begehen.

    Das muss man zumindest im Hinterkopf behalten. Geht es nur um Preis-Leistung, ist die Ukulele unzweifelhaft vorne.

    Doch am Ende hat ohnehin jeder andere Ansprüche, was Klang betrifft. Ich werde auch nicht alle Menschen dazu bringen, ihr Geld lieber für wenige hochwertige und wertstabile Dinge auszugeben als so viel wie möglich in minderwertiger Qualität anschaffen zu wollen und regelmäßig neu kaufen zu müssen, weil die Dinge entweder kaputt gehen oder sich die Person in seinen Ansprüchen weiterentwickelt hat. Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten. Wem Qualität vor allem im Klang wichtig ist, der lässt besser die Finger von günstigen Digitalpianos. Sonst ist er am Ende im Zweifel enttäuscht. Wer einfach um jeden Preis Klavier lernen will oder z.B. im Rahmen seines Studiums muss, der schlage bitte ohne schlechtes Gewissen zu.

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