Ist die Ukulele wirklich so einfach zu lernen? Die ganze Wahrheit.

Sobald man beginnt, über die Ukulele zu recherchieren, liest und hört man allerorts, dass sie so leicht zu erlernen sei. Auch auf Ukulele Insider wird dieses Argument zugegebenermaßen häufig verwendet. Dabei gibt es einige Stimmen, die behaupten, das sei alles Unsinn, die Ukulele sei nicht einfacher zu lernen als andere Instrumente. Wo liegt also die Wahrheit?

Um zu verstehen, woher diese beiden Ansichten kommen, muss man wissen, was einen Teil der beiden Seiten (verständlicherweise) antreibt.

Ist Ukulele lernen wirklich einfach? (Foto: Eine Frau verschränkt liegend die Hände hinter dem Kopf)

Zwei Seiten der Medaille

Hersteller und Händler möchten natürlich, dass so viele Menschen wie möglich eine Ukulele kaufen. Würden sie etwas anderes wollen, wäre das äußerst unwirtschaftlich und in keiner Weise unternehmerisch zu rechtfertigen. Es ist also in ihrem guten Interesse, das Instrument als besonders leicht zu verkaufen, solange das Gegenteil nicht bewiesen werden kann.

Auf der anderen Seite stehen zahlreiche Musiker. Sie haben unheimlich viel Zeit in das Lernen des Instrumentes gesteckt und fühlen sich, was ich vollkommen nachvollziehbar finde, nun angegriffen. Als wäre das, was sie machen, so leicht und innerhalb kürzester Zeit erlernbar. Es entwertet in gewisser Weise ihre beachtliche Leistung. Manche erinnern sich auch an ihre Anfangszeit zurück und haben sich möglicherweise beim Lernen der Ukulele gequält.

Irgendwo dazwischen liegt dann die Presse, die zumindest in solchen Themenbereichen lieber berichtet, dass ein Instrument nicht nur total angesagt, sondern auch noch leicht zu lernen ist. Das gibt dem Leser ein gutes Gefühl und das ist auch im wirtschaftlichen Interesse der Zeitung. Zudem ein gutes Gegenwicht zur üblicherweise eher pessimistischen Presseansicht.

Alle Seiten haben ihre Gründe, alle Seiten haben ihre berechtigten Interessen. Aber wer hat nun Recht? Die Wahrheit liegt dazwischen. Und die wichtigste Prämisse ist: Es gibt keine für alle gültige Wahrheit, denn jeder Mensch ist verschieden.

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Meister sind noch nie vom Himmel gefallen

Die Ukulele wirklich zu meistern, sie virtuos zu spielen, ist ein Prozess, der ein Leben lang dauern kann und jeden Menschen, egal mit wie viel Talent, sehr viel Mühe kosten wird. Nicht weniger als das Meistern irgendeines anderen Instrumentes. Dass die Ukulele nur vier Saiten hat, bringt auf lange Sicht überhaupt keinen Vorteil mehr, er löst sich über die Lernkurve quasi von alleine auf.

Für Anfänger hat die Ukulele aber einen Vorteil, denn ganz am Anfang ist der Einstieg leichter als bei manchen anderen Instrumenten.

Ukulele vs. Gitarre (Foto: Man hält Gitarre lustlos in den Händen)

Was die Ukulele der Gitarre voraus hat

Im Vergleich zur Gitarre hat die Ukulele 33 % weniger Saiten. Vier Saiten sind am Anfang einfach leichter zu überblicken als sechs Saiten. Hinzu kommt, dass die ersten Akkorde – also die, aus denen üblicherweise die bekannten Popsongs zusammengestrickt sind – einfacher zu greifen sind.

Auf der Gitarre brauche ich für den C-Dur-Akkord drei Finger, auf der Ukulele einen. Für G-Dur brauche ich jeweils drei, auf der Gitarre sind die Finger jedoch weiter auseinander (hier lasse ich aber auch ein Unentschieden gelten). A-Moll benötigt drei Finger auf der Gitarre, auf der Ukulele wieder nur einen. Und über den gitarristisch enorm schwierigen F-Dur-Akkord, der auf der Ukulele mit 2 Fingern gespielt wird, brauchen wir gar nicht erst reden.

C, G, Am, F gehören zu den am meisten benötigten Akkorden, damit sind unzählige Popsongs spielbar. Zu behaupten, das sei auf der Ukulele nicht einfacher als z.B. auf der Gitarre, ist sehr gewagt und dem dürften nur wenige zustimmen, die es auf beiden Instrumenten ausprobiert haben.

Strumming, Rhythmus, etc. sind auf der Ukulele hingegen nicht leichter als auf der Gitarre. Da Anfängern aber die Akkorde am meisten zu schaffen machen, ist hier ein deutlicher Pluspunkt für die Ukulele zu verzeichnen. Der erste Song ist auf der Ukulele nicht unwesentlich schneller gelernt als auf der Gitarre.

Ukulele vs. Klavier (Foto: Klavier mit Noten)

Warum die Ukulele leichter als das Klavier ist (nicht nur an Gewicht)

Im Vergleich zum Klavier muss man nun erst einmal abwägen, worum es einem spielerisch geht. Akkordspiel mit Notenspiel zu vergleichen, ist etwas haarig, denn Letzteres ist auf der Ukulele ebenfalls schwierig.

Auf dem Klavier ist das reine Akkordspiel sogar leichter als auf der Ukulele, aber dafür klingt es nicht gut. Es muss unterfüttert werden mit etwas Melodie, eventuell sogar improvisiert, damit es so voll klingt wie bei der Gitarre. Denn wir haben auf dem Klavier kein Strumming, was der Ukulele ihren Rhythmus gibt. Was jedes Lied trotz derselben Akkorde wieder anders klingen lässt.

Doch selbst das Notenspiel ist auf der Ukulele etwas leichter, denn immerhin gibt es Tabs als Übersetzung der Musiknotation. Als Klavierspieler muss man zuerst lernen, wie die Noten auf dem Papier heißen. Und dann, wo diese Noten auf der Klaviatur zu finden sind. Die weiteren Elemente der Musiknotation wie Pausen und das Vorzeichenwirrwarr machen es nicht gerade leichter. Die Tabs sparen uns den einen Schritt, da sie genau angeben, wo sich etwas auf dem Griffbrett befindet. Und die Tabs lassen auch weitere Angaben weg, die eine vollständige Musiknotation umfasst. Das macht das Fingerpicking immer noch nicht einfach, aber leichter als das Spiel vom Blatt auf dem Klavier.

98 % finden die Ukulele schwierig zu lernen?

Bei einer Umfrage kam heraus, dass 98 % die Ukulele am Anfang nicht als einfach empfanden. Das wirkt wie ein Schlag ins Gesicht für alle, die sie als leicht erlernbares Instrument verkaufen möchten.

Was dabei leider nicht bedacht wird, ist die Tatsache, wie wenig aussagekräftig allein schon die Fragestellung ist – die Datenbasis will ich gar nicht kritisieren. Wir wissen überhaupt nicht, ob auch nur einer von den 98 % überhaupt ein anderes Instrument versucht hat zu lernen. Und vor allem, ob er dieselbe Zeit und die dieselbe Mühe hineingesteckt hat. Und wie viele Jahre dazwischen lagen.

Natürlich wird jemand, der bisher als einziges Instrument nur die Ukulele ausprobiert hat, angeben, dass es nicht leicht war. Denn was ist schon leicht? Sie spielt ja nicht von selbst.

Die Wahrheit ist: Nahezu jeder, der mit der Ukulele beginnt, wird straucheln. Selbst wenn er schon ein anderes Instrument gespielt hat. Die Bewegungen insbesondere der linken Hand sind vollkommen ungewohnt und es fühlt sich die ersten Tage an, als würden die Finger genau das Gegenteil von dem machen, was man ihnen befiehlt. Dann tun die Fingerspitzen erst mal ein wenig weh, das Handgelenk vielleicht auch und der erste Song will am ersten Tag auch noch nicht klappen. Ein herber Rückschlag, weil man heute durch das Internet gewohnt ist, alles irgendwie sofort zu bekommen.

Wer aber meint, dadurch wäre der Anfang schwierig, der hat einfach grundlegend unterschätzt, was es bedeutet, ein Instrument zu lernen. Ich bin mir sicher, dass jeder, der vorher einmal versucht hat, Klavier oder Gitarre zu lernen, die Ukulele zumindest als ein bisschen einfacher empfindet. Zumindest diese ersten so wichtigen Schritte. Unabhängig davon, ob ihm das eine oder andere Instrument möglicherweise etwas mehr liegt.

Instrumente verlangen Disziplin (Foto: Orchester, im Vordergrund Violinisten)

Die Früchte, die am tiefsten hängen, liegen faulend auf dem Boden

Fakt ist, dass kein Instrument der Welt einfach zu erlernen ist, wenn man der Meinung ist, alles im Leben müsse einem zugeflogen kommen und Arbeit müsse man ohnehin nicht investieren. Es gibt rein gar nichts im Leben, das etwas wert ist, aber keine Mühe macht. Anders gesagt: Es ist gerade die Mühe, die etwas wertvoll macht. Anderenfalls würde man mir applaudieren, wenn ich mich ans Digitalpiano setze und einen der eingespeicherten Songs eigenständig vom Klavier abspielen lasse. Das wird aber niemand tun, weil es mir keine Mühe bereitete – weil es jeder könnte, der sich die Bedienungsanleitung durchgelesen oder kurz gegoogelt hätte.

Wenn ich behaupte, die Ukulele sei ein einfaches Instrument, dann will ich Menschen für die Ukulele begeistern. Vor allem solche, die Schwierigkeiten bei der Gitarre hatten, aber Saiteninstrumente eigentlich schätzen. Oder auch solche, denen reine Akkorde am Klavier zu dünn klingen und denen mehr Untermalung zu schwierig war. Aber auch solchen, die noch nie ein Instrument gespielt haben und nicht gleich von Misserfolgen geplagt werden möchten.

Natürlich mag man einwenden, dass gerade so eine Aussage zu Enttäuschung führen kann. Nämlich dann, wenn Menschen eine Ukulele in der Ansicht kaufen, sie sei so leicht zu lernen, ihnen das auch weiterhin alle erzählen, und sie sich dann vollkommen wertlos fühlen, weil es ihnen einfach nicht so zufliegen will, wie es suggeriert wurde. Auch deshalb schreibe ich diesen Artikel. Ich will keine Mogelpackung verkaufen. Ich will für dieses Instrument begeistern. Weil ich weiß, dass es wenigstens am Anfang einfacher ist als andere Instrumente. Und dass die ersten Erfolgsmomente so wichtig sind, damit man überhaupt bei einem Instrument dabei bleibt.

Denn ob man eine Ukulele oder irgendein anderes Instrument lernen möchte: Misserfolg wird kommen. Steine werden im Weg liegen. Irgendwann. Aber das ist der vorgegebene Pfad bei allem, was es sich im Leben zu erreichen lohnt. Es gibt zwei Wege: Kämpfen. Oder aufgeben, bevor man überhaupt richtig angefangen hat. Du entscheidest.

Quellen der verwendeten Bilder (in der Reihenfolge ihrer Platzierung):

  • unsplash.com / Max Rovensky (@fivepointseven)
  • unsplash.com / Ramiro Mendes (@thisisramiro)
  • unsplash.com / Lorenzo Spoleti (@lorenzospoleti)
  • unsplash.com / Larisa Birta (@larisabirta)
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